Ein einziges Häkchen kostete mich 20% unseres Firmenumsatzes und acht Monate ohne Verkäufe in Deutschland. Ich wollte unseren Umsatz auf Amazon verdoppeln und landete stattdessen in einem bürokratischen Albtraum. Unsere Wandtattoos auf Amazon verkauften sich gut, bis ein Teil der Ware in ein deutsches Lager kam.
Damals verkauften wir über Amazon UK und nutzten die Lager in England. Wir schickten unsere Wandtattoos dorthin, und Amazon verpackte die Bestellungen und lieferte sie an die Kunden. Der Verkauf lief hervorragend. Dann bot Amazon an, einen Teil unserer Ware in seine deutschen Lager zu bringen. So sollten die Kunden ihre Bestellungen schneller bekommen und wir Versandkosten sparen.
Das klang vernünftig, denn Deutschland war unser drittgrößter Markt. Ich dachte, warum nicht, setzte das Häkchen zur Zustimmung und vergaß die Sache. Amazon brachte die Wandtattoos in ein deutsches Lager. Zwei Wochen später kam die Nachricht, dass unser Konto in Deutschland gesperrt sei. Wir sollten eine deutsche Umsatzsteueridentifikationsnummer vorlegen.
Ich verstand nicht, warum. Wir hatten bereits eine estnische Umsatzsteueridentifikationsnummer, und unsere Firma saß in der Europäischen Union. Ich rief unsere Buchhalterin an, doch sie wusste es auch nicht. Bei unseren Nachforschungen stellte sich heraus, dass die Lagerung unserer Ware in Deutschland und der Verkauf aus diesem Lager in unserem Fall eine deutsche Umsatzsteuerregistrierung erforderten. Die estnische Nummer ersetzte diese nicht. Der Lagerort war das wichtige Detail, das ich übersehen hatte.
Offenbar ging Amazon bei diesem Angebot davon aus, dass ich all diese Einzelheiten kannte. Das tat ich nicht. Wir hatten uns allerdings schon in England für die Umsatzsteuer registriert, und damals brauchten wir 30 Minuten für das Formular und warteten eine Woche. Ich dachte, in einem so fortschrittlichen Land wie Deutschland würde es bestimmt noch schneller gehen.
Wie sehr ich mich irrte. Die Umsatzsteuerregistrierung in Deutschland wurde zum Albtraum. Die Webseiten waren unübersichtlich und die Anforderungen streng. Wir mussten eine spezialisierte Agentur beauftragen, weil wir allein nicht weiterkamen. Statt einer Woche dauerte der Vorgang acht Monate.
Die ganze Zeit lag die Ware unverkauft im Lager. Unsere Produktangebote rutschten in den Rankings nach unten. Der Firmenumsatz brach sofort um 20% ein. Erst nach diesen acht Monaten bekamen wir die Nummer, konnten das Konto wieder freischalten lassen und mussten den Verkauf von null an aufbauen.
Meine Lehre daraus war einfach. Bevor ich einem verlockenden Angebot eines Marktplatzes zustimme, sollte ich im Internet nachsehen, wie gut es wirklich ist. Außerdem sollte ich prüfen, welche Schwierigkeiten andere Verkäufer damit hatten. So legten ein Häkchen und ein paar Wandtattoos in einem deutschen Lager mein Geschäft in Deutschland acht Monate lang lahm.